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Nach der Reichsgründung im Jahre 1871 verhalfen weggefallene Zölle und geringe Löhne, die sie ihren Arbeitskräften zahlten, dazu, genau das zu tun, was heute China vielfach versucht. Sie kopierten qualitativ hochwertige Produkte aus dem britischen Empire, produzierten diese auf billigere Weise in Deutschland und versuchten anschließend diese im Empire zu verkaufen.
Im Jahr 1886, als die Weltausstellung in Philadelphia begann, galten deutsche Produkte als „billig und schlecht“, was der damalige Vorsitzende der deutschen Jury auf der Weltausstellung, Franz Reuleaux, in seinem Urteil bekannt gab. Zudem waren die Deutschen seinerzeit sehr einfallslos, was Innovationen und Erneuerungen betraf und haben daher fast nur Fälschungen hergestellt.
Das britische Unterhaus erließ deshalb im Jahr 1887 den so genannten „Merchandise Marks Act“. Der Grund für dieses „Warenkennzeichnungsgesetz“ war die Befürchtung der Briten, dass ausländische Konkurrenz das Britische Empire mit Waren überschwemmen könnte. Durch diesen Erlass wurde es ausländischen Unternehmen nur dann gewährt, ihre Produkte ins Empire einzuführen, wenn diese mit einer genauen Herkunftsbezeichnung des Produktionsstandortes versehen waren.
Dieses Handelshemmnis war anfangs auch erfolgreich und über all im Deutschen Kaiserreich kursierten Berichte über qualitativ minderwertige Produkte, die aus dem eigenen Land stammen sollten.
Da die Bürger und Unternehmer dies nicht hinnehmen und den Vorsprung Englands einholen wollten, setzten sie verstärkt auf Qualität, statt auf Ideenklau. Deutsche Produkte zählten von nun an zu den qualitativ hochwertigsten Produkten weltweit. Dies bewirkte, dass das als Handelshemmnis gedachte Kennzeichnungsgesetz ins Gegenteil verkehrte. Da die deutschen Produkte aufgrund steigender Qualität immer mehr an Ansehen gewannen, wandelte es sich zum allseits geschätzten Gütesiegel. Weil die deutschen Unternehmer die Vorteile dieser Kennzeichnung erkannten, die sie vorher noch nahezu an den wirtschaftlichen Ruin getrieben hatte, wurden von nun an nahezu alle deutschen Produkte mit dem Siegel „Made in Germany“ versehen, da die Konsumenten auf der ganzen Welt ihre Kaufentscheidung immer häufiger zu Gunsten der deutschen Produkte entschieden. Somit wandelten sich Güter aus dem Deutschen Kaiserreich vom hässlichen Entlein zum stolzen Schwan. Das dies nicht im Sinne der britischen Politiker war, die das Gesetz eigentlich als Brandmarkung ins Leben gerufen hatten, scheint eindeutig. So wurde der Ärger über dieses Gesetz immer lauter. Der britische Journalist E.E. Williams machte seinem Ärger im Jahre 1896 Luft und bemängelte: „Am meisten spricht dagegen, dass es als kostenfreie Empfehlung der deutschen Waren wirkt“.
Sehr deutlich wird der Expansionsdrang deutscher Produkte an folgenden Zahlen. Im Jahre 1888 betrug der Wert deutscher Exporte nach Japan 4,5 Millionen Mark. Sieben Jahre danach hatte sich der Wert bereits um fast das sechsfache erhöht und betrug nun 26,5 Millionen Mark.
Waren „Made in Germany“ zählen seit jeher zu den qualitativ Hochwertigsten und Zuverlässigsten in der ganzen Welt. Während des Ersten Weltkrieges verschärften die Briten nochmals ihren Protektionismus gegenüber deutschen Produkten und weiteten die Kennzeichnungspflicht aus, die darauf abzielte, deutsche Produkte leichter zu boykottieren. Das aber änderte nichts daran, dass deutsche Produkte ganz oben auf den Wunschzetteln der Briten standen, weshalb auch diese erneute Brandmarkung ins Leere lief. Der Zweite Weltkrieg zerstörte weite Teile der deutschen Industrie, was zu einer stark geminderten Exportrate führte. Die Wiederaufbaujahre jedoch führten das Gütesiegel „Made in Germany“ zu immer neuen Rekorden. Deutsche Produkte waren nicht nur im eigenen Land gefragt wie nie zu vor. Auch die ehemaligen Kriegsgegner kauften von nun an mit Vorliebe Produkte aus dem Wirtschaftswunderland.
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